Dummytraining

Dummyarbeit ist DIE Retriever-Domäne: Dabei wird die jagdliche Arbeit nach dem Schuss simuliert und trainiert. Statt echtem Wild kommen Dummies zum Einsatz - gefüllte Stoff-Säckchen. Da der Vizsla als jagdlicher Allrounder gilt und eben oft auch nach dem Schuss eingesetzt wird, um das erlegte Wild zu apportieren und dem Jäger zu bringen, kann er seine Anlagen auch beim Dummytraining einbringen und ausleben. Dennoch ist die Zahl der Nicht-Retriever, die Dummyarbeit "professionell" auf Workingtests etc. betreiben, noch sehr begrenzt, und Nala wird in der Retriever-Szene als "Exot" betrachtet - aber nicht belächelt. Denn sobald sie das erste Mal Vollspeed durch Dornen etc. rausgeht, um ein Dummy zu holen bzw. vorher zu suchen, und dann mit genau demselben hohen Tempo wieder zurückzukommen, wird klar, welch Dummyarbeits-Potential eben auch in einem Vizsla steckt.

Sie ist dabei eigenständiger als viele Retriever, sie denkt und hinterfragt durchaus einmal. Und das vor allem beim Einweisen - wenn es das xte Mal geradeaus voran gehen soll, obwohl sie genau weiss, dass links und rechts auch andere spannende Dummies liegen. Generell mag sie stupide Wiederholungen nicht so. Da Nala aber grundsätzlich gerne mit mir zusammenarbeiten will, lässt sie sich am Ende doch immer überzeugen. Manchmal merkt man - trotz oder gerade wegen ihres Dummy-Talentes - dass wir erst spät mit dem Training angefangen und die Grundlagen nicht schon im Welpenalter systematisch gelegt haben, und dass die Dummyarbeit eben nur "Zweitjob" ist und wir nicht so oft trainieren. Dennoch macht es uns beiden riesigen Spaß, es ist eine tolle Ergänzung und Aufgabe für einen Vizsla. Wir haben bereits die Dummy A geschafft und werden nun auf jeden Fall den einen oder anderen Workingtest in Angriff nehmen.

Grundlagen

Entwickelt wurde das Dummytraining in England. Jäger versuchten, ihre Hunde auch außerhalb der Jagd-Saison zu trainieren, ohne dabei lebendes oder auch totes Wild nutzen zu müssen. Zum Einsatz kommen stattdessen verschiedene Dummy-Arten: die grünen 500 Gramm Standard-Stoffsäckchen, aber auch Hasenattrappen etc.. Mittlerweile hat sich aus dieser Jagdersatz-Beschäftigung ein Hundesport entwickelt, der es ermöglicht, Jagdhunde rassegerecht auszulasten. Die Wettkämpfe - sog. Workingtests - orientieren sich immer noch eng an den Aufgaben, die Hunde während einer Niederwildjagd lösen müssen. Beim Dummytraining muss der Hund Gehorsam, Führigkeit und einen hohen Arbeitswillen zeigen. Er muss über einen ausgeprägten Beutetrieb verfügen, der ihn dazu bringt, auch durch unangenehmes Gelände wie Dornenbüsche zu gehen, um an die Beute zu gelangen. Grundsätzlich muss der Hund das Dummy schnell aufnehmen, dieses fest halten - damit das "angeschossene Wild" sich nicht befreien kann - ohne dieses jedoch zu knautschen, also durch seine Zähne weiter zu verletzen. Die Beute soll er schließlich zügig und freudig zu seinem Führer bringen und sauber in die Hand abgeben. Das Dummy-Training schult die Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer. Wechselnde Gelände und sehr unterschiedliche Apportieraufgaben machen es zu einer anspruchsvollen und interessanten Arbeit für den Hund, die ihn körperlich und geistig fordert.

Die Dummyarbeit baut auf drei Grundpfeilern auf:

dem Markieren, der Suche und dem Einweisen.   

Markieren

Ein Hund, der nach dem Schuss eingesetzt wird, um das Wild zu holen, muss das Jagdgeschehen aufmerksam verfolgen, während er ruhig neben seinem Führer wartet. Wird Federwild geschossen, muss er selbständig dessen Flugbahn beobachten und sich die Fallstellen mit ihrer Richtung und Distanz merken (markieren) - auch wenn diese verdeckt z.B. hinter Büschen liegen. Diese Anforderungen an einen Apportierhund werden beim Markieren trainiert - nur, dass statt echtem Wild eben von Helfern geworfene Dummies eingesetzt werden. Distanz, Geländeübergänge (z.B. auch in oder über Seen und Flüsse), Windverhältnisse und die Sichtbarkeit der Fallstellen können dabei die Schwierigkeit der Aufgaben beeinflussen. 

Freiverloren-Suche

Bei der Suche hat der Hund vorher keine Fallstelle markieren können. Auch der Hundefüher weiss nicht genau, wo das Wild bzw. die Dummies liegen. Durch selbständiges Suchen soll der Hund diese finden und bringen. In der Jagdpraxis ist das selbständige Arbeiten bei einer Suche elementar, weil der Hundeführer dem Hund nur die ungefähre Richtung des Suchgebietes anzeigen kann.

Einweisen

Wenn nur der Hundeführer die Fallstelle des Wildes markieren konnte, muss er den Hund dorthin einweisen - sprich: ihn dorthin schicken und dann in unmittelbarer Nähe auf Befehl suchen lassen. Beim Einweisen lenkt der Hundeführer den Hund mit Hilfe von Stimme, Pfeife und Handzeichen. Anders als bei der Freiverloren-Suche soll der Hund nicht größere Geländeflächen absuchen. Er soll gerade Linien und rechte Winkel laufen, damit der Hundeführer ihn auf direktem Weg schicken kann. Der Hund sollte bei diesem Arbeitsfeld exakt auf die Richtungsangaben und Hilfen reagieren. In dem Moment, in dem er im Zielgebiet angekommen ist, soll er auf Befehl in einem sehr engen Bereich suchen.

Sinn und Zweck dieser Arbeitsweise ist es, möglichst schnell in den Besitz des Wildes bzw. Dummies zu kommen, dabei die Kräfte des Hundes zu schonen und so wenig Gelände wie nötig zu nutzen, um dort kein anderes Wild aufzuschrecken. Das Einweisen gilt als Königsaufgabe der Dummyarbeit und setzt sich aus vielen kleinen Mosaik-Steinchen bzw. Teilaufgaben zusammen: das Voranschicken, Rechts- und Linksschicken, das Zurückschicken, Zurückkommen und das Stoppen des Hundes. Gutes Einweisen setzt großes Vertrauen des Hundes zu seinem Führer voraus sowie die Bereitschaft, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Working Tests- und Prüfungs-Ergebnisse und -Aufgaben

Zu unseren Ergebnissen bei Working Tests und Dummyprüfungen und den jeweiligen Aufgabenbeschreibungen geht es hier.  

Weiterführende Literatur:

"Die drei Apporte", Tineke Antonisse-Zijda: Theoretische Grundlagen der Dummy-Arbeit

"Trainingsbuch für Retriever: Markieren, Einweisen, Verlorensuche", Norma Zvolsky Kosmos Verlag 2010

"Dummytraining Schritt für Schritt: Apportieren leicht gemacht", Viviane Theby, Kynos Verlag 2007 

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© Text/Layout: Siv-Brit Kühl, online seit: 07/2011