Rettungshundearbeit

Bei der Rettungshundearbeit lassen sich die jagdlichen Eigenschaften des Vizslas nutzen - sie müssen nur in eine andere Bahn gelenkt werden. Im Prinzip geht der Hund dabei mit seinem Führer auch auf die Jagd - nach verlorengegangenen Menschen. Der Such- und Findewille, die Ausdauer und die Nasenleistung zeichnen den Vizsla dabei aus.

Nala ist als Bringslerin in der Fläche im Einsatzteam unserer Rettungshundestaffel des BRH Pinneberg - sie ist natürlich geprüft ("vorzüglich") und sucht damit nach Vermissten. Ihre Stärken sind ihre exzellente Nasenleistung - sie nimmt noch so geringe Witterung wahr - und ihre perfekte Mischung aus Eigenständigkeit und Orientierung an mir in der Suche - sie macht weite Schläge, lässt sich aber durch kleinste körperliche Signale meinerseits lenken. Die Ausbildung zum Rettungshundeteam dauert zwei bis drei Jahre - wöchentlich zweimal Training, dazu Extra-Seminare zu Kynologie, Trümmerkunde, Sanitätsausbildung etc.. Es gibt verschiedene Gebiete, in denen ein Rettungshund zum Einsatz kommt:

 

Mantrailing

Das Mantrailing ist ein Spezialgebiet im Rettungshundewesen. Denn anders als die "normalen" Rettungshunde, die jeden menschlichen Geruch suchen, folgen Mantrailer dem individuellen Geruch einer ganz bestimmten vermissten Person. Dem Mantrailer wird an der Stelle, wo die Person zum letzten Mal gesehen wurde, ein Geruchsgegenstand der vermissten Person (z.B. Kleidungsstück oder Bürste) vor die Nase gehalten. Daraufhin folgt der Mantrailer der Spur dieses Geruches an einer langen Leine - egal ob in der Großstadt oder im Wald. Wenn der Hund die Person findet, zeigt er dies seinem Führer an - z.B. durch Bellen oder Platz machen. 

Flächensuche

Die Flächensuche wird dann angewandt, wenn große, unübersichtliche und auch unwegsame Gelände nach Vermissten abgesucht werden sollen - zum Beispiel nach gestürzten Joggern, Schockopfern nach Unfällen oder verwirrten Senioren. Es hat sich gezeigt, dass ein einzelner Rettungshund solche Flächen deutlich schneller absuchen kann als große Suchketten der Polizei. Der Hund ist so ausgebildet, dass er frei in Schlägen um seinen Führer herum jede menschliche Witterung sucht. Dabei darf er sich nicht durch Umgebungseinflüsse - zum Beispiel Wild - ablenken lassen. Hat er eine Person gefunden und entspricht diese seinen gelernten Opferbildern (liegende, sitzende, hockende Personen etc.), zeigt der Flächensuchhund diese an. Die häufigste Form der Anzeige in Deutschland ist das Verbellen. Das Bringseln, bei dem der Hund - wenn er eine Person gefunden hat - einen Gegenstand an seinem Halsband aufnimmt und damit zum Hundeführer läuft, um ihn dann zum Opfer zu führen, ist in Deutschland kaum verbreitet - im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern.

Lawinensuche

Nach dem Abgang von Lawinen in den Bergen werden Suchhunde eingesetzt, um verschüttete Personen unter dem Schnee aufzuspüren. In diesem Einsatzfeld kommt es besonders auf eine schnellstmögliche Ortung und Rettung an. Wie in der Trümmersuche zeigt der Hund durch Bellen und Scharren die Stelle an, an der die meiste menschliche Witterung nach draußen dringt. In Deutschland obliegt die Ausbildung von Lawinenhunden der Bergwacht.

Trümmersuche

Diese Suchform stellt an den Hund besondere Anforderungen: Er muss nach einem Gebäudeeinsturz jede menschliche Witterung aus einer Vielzahl anderer Gerüche (Essen, Kleidung etc.) herausfiltern und Opfer finden, die unter meterdicken Trümmerschichten liegen können. Dabei darf er sich nicht durch Lärm, Rauch oder wackelnde Untergründe ablenken lassen. Er läuft frei über den Trümmerkegel und lässt sich von seinem Führer durch Ruf- und Sichtzeichen lenken. Der Trümmersuchhund zeigt durch Scharren und Verbellen die Stelle an, wo der meiste Geruch des Verschütteten austritt. Auch im Hochtechnologie-Zeitalter kann z.B. nach Gasexplosionen nicht auf diese Hunde verzichtet werden. Mit ihrem geringen Gewicht, ihrer exzellenten Nase (gut vierzigmal so empfindlich wie die eines Menschen) und ihrer Fähigkeit, Trümmer-Areale zügig abzusuchen, hat ihr Einsatz gegenüber der technischen Ortung Vorteile.  

Geräte und Unterordnung

Teil der Ausbildung zum Rettungshund sind auch Elemente der Unterordnung sowie die Gerätearbeit. Hintergrund ist, dass der Hund im Einsatz z.B. in gefährlichen Situationen unbedingt im Gehorsam stehen muss - der Hundeführer muss sich auf ihn verlassen können. Daher trainiert man mit den Hunden zum einen die wesentlichen Teile der Begleithundeprüfung (Sitzen aus der Bewegung, Fussgehen durch eine Menschenmenge mit Hunden etc.). Zum anderen gehören zur Gehorsams-Ausbildung auch spezifische Anforderungen an einen Rettungshund wie das sich von fremden Personen tragen lassen, was im Einsatz lebenswichtig sein kann. Und das Detachieren, das Schicken zu verschiedenen Punkten, um den Hund zum Beispiel in der Trümmersuche auf Distanz lenken zu können. Auch das Körpergefühl und die Beweglichkeit auf schwierigen Untergründen müssen für den Trümmereinsatz trainiert werden. Daher steht bei der Ausbildung auch die Gerätearbeit auf dem Trainingsplan. Der Hund lernt, sich über wackelnde Bretter, Leitern, die über Abgründe führen und auf rutschigen Flächen sicher zu bewegen. Dies hat nichts mit irgendwelchen Kunststückchen zu tun, sondern ist für den Hund oft die Lebensversicherung im Einsatz.

Weiterführende Literatur:

"Such und Hilf: Hunde retten Menschenleben", Angela Wegmann und Wilfried Heines, Kynos Verlag 2002

"Der Rettungshund - Von der Ausbildung bis zur Flächensuche", Doris Röthig, Oertel und Spoerer GmbH 2012

"Die Hundeausbildung nach Urs Ochsenbein: Vom Begleiter im Alltag zum Dienst- und Rettungshund", Verlag Müller Rüschlikon 2004 

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